Siegen feiert 40 Jahre Purple
Eigentlich ist es ja nichts Besonderes, dass die britische Hardrockgruppe “Deep Purple” auf Tournee ist, denn auf den BĂŒhnen rund um den Globus ist das Quintett offenbar lieber als in Tonstudios. Das “aktuelle” Album “Rapture of the Deep” datiert von 2005 und wurde im Februar 2006 auch in Wetzlar prĂ€sentiert. Bei dem aktuellen Tourabschnitt gibt es GröĂeres zu feiern, nĂ€mlich das 40. JubilĂ€um der BandgrĂŒndung.
1968 begannen sich die Briten mit einem Konzert in DĂ€nemark und dem noch etwas richtungslosen Album “Shades of Deep Purple” langsam auf dem britischen Markt zu etablieren. Das dritte Album “Deep Purple” enthielt 1969 die Kultnummer “April”, aber da war die erste Besetzung (“Mark I”) schon Geschichte, SĂ€nger Ian Gillan und Bassist Roger Glover bildeten mit Gitarrist Ritchie Blackmore, Keyboarder Jon Lord und Drummer Ian Paice die klassische “Mark II”-Besetzung, die bis 1973 hielt und zehn Jahre spĂ€ter reformiert wurde. 1989 wurde Ian Gillan nach endlosen Streitereien mit Blackmore mal wieder vor die TĂŒr gesetzt, ist aber seit 1993 nonstop dabei.
Seit 1994 ist der Amerikaner Steve Morse der Gitarrist von “Purple”, Don Airey löste 2002 Jon Lord an den Tasten ab. Weil Airey ohnehin schon zum erweiterten “Purple”-Stammbaum gehörte, blieb dieser letzte Wechsel musikalisch fast folgenlos â auch wenn man den Gentleman Jon Lord vermisst, der maĂgeblich fĂŒr Crossover-Projekte wie das “Concerto for Group and Orchestra” verantwortlich war. Der immer gut gelaunte Saitenhexer Steve Morse lĂ€sst vielleicht den Funken GenialitĂ€t vermissen, den Blackmore an seinen guten Tagen zu zĂŒnden imstande war.
DafĂŒr aber hat er das lange zerstrittene Quintett die Freude am Zusammenspiel wieder entdecken lassen und sorgt fĂŒr ein konstant hohes Niveau aller “Purple”-Shows. Sein Gitarrensound ist fetter, verzerrter, seine Spielweise virtuoser und weniger roh als die Blackmores. Aber natĂŒrlich bringt er die Mutter aller Hardrock-Gitarrensoli, den legendĂ€ren Lauf in “Highway Star”, genauso sauber â und wenn das Killer-Riff des bewĂ€hrten Openers “Fireball” aus den Boxen knallt, zĂ€hlt sowieso nicht mehr, wer da oben auf der BĂŒhne steht.
“Purple” haben sich nie durch allabendlich wechselnde Setlists ausgezeichnet, aber von Tour zu Tour warten sie dann doch immer mal mit netten Ăberraschungen auf. “Into The Fire”, bisher immer nur am Ende von “Fireball” kurz angedeutet, wird komplett gespielt â Fans des brachialen “Deep Purple”-Meisterwerks “In Rock” (1970) wird es auch in Siegen, wo die Gruppe am letzten Freitag auftrat, gefreut haben. “Strange Kind Of Woman”, ebenfalls ein Megahit, hat den Weg ins Programm zurĂŒckgefunden, danach kommen die “Rapture of the Deep”-StĂŒcke, die sich live am besten bewĂ€hrt haben, nĂ€mlich das TitelstĂŒck, “Contact Lost” und spĂ€ter “The Well-Dressed Guitar”, bei denen vor allem Morse mit allerhand gitarristischen Soundspielereien glĂ€nzen darf.
Eine echte Ăberraschung ist “Wring That Neck” vom zweiten Album â mithin neben der gewohnten Zugabe “Hush” das einzige StĂŒck, das genauso alt ist wie die Band. Ende der 60er dehnte “Neck” sich mit seinen Gitarre-Orgel-Duellen schon mal auf ĂŒber 30 Minuten, in Siegen fĂ€llt es sogar kĂŒrzer als die LP-Version aus. Aber immerhin verschafft der Instrumentaltitel dem 63-jĂ€hrigen Ian Gillan eine höchst willkommene Gesangspause. Die Stimme klingt angenehm und unverwechselbar wie eh und je, aber bei einigen Passagen â fast Mitleid erregend spĂŒrbar bei “Highway Star” â ist ihm die Anstrengung deutlich ins Gesicht geschrieben.
Wohl nur mit RĂŒcksicht auf die StimmbĂ€nder verzichten “Purple” spĂ€ter auf die dritte Zugabe “Speed King”. Mit “The Battle Rages On” hat die Band den majestĂ€tischen Titelsong des letzten Albums mit Blackmore (1993) wieder ins Set genommen â Ă€hnlich heavy-melodiös wie “Perfect Strangers”, das nach wie vor zum festen Repertoire gehört.
Auch wenn einige von der mit 135 Minuten knapp bemessenen Spielzeit leicht enttĂ€uscht waren: “Purple” können mit ihren schieren Spielfreude und ihrer traumhaften MusikalitĂ€t auf der BĂŒhne nach wie vor begeistern. Die nĂ€chste Chance, sie zu erleben, ist am 7.11. in der Frankfurter Festhalle.
Wer auch im Pantoffelkino nicht auf “Purple” verzichten will, kann sich das vor kurzem erschienene 4-DVD-Set “Around the World live” genehmigen. Auf drei DVDs sind Konzerte von 1995, 1999 und 2002 festgehalten, die zum Teil bereits vorher erschienen waren. DVD 3 allerdings zeigt die Gruppe mit altem und neuem Keyboarder bei einem Konzert in England. DVD 4 erzĂ€hlt in der handelsĂŒblichen, also liebevollen, aber etwas zu unkritischen Art die Geschichte der Band mit etlichen Interviewteilen und Konzertausschnitten.
Allerdings werden ehemalige Mitglieder wie Coverdale, Hughes, Bolin oder Satriani wirklich nur in einem Halbsatz erwĂ€hnt â dieser Film konzentriert sich ausschlieĂlich auf die Zeit mit Steve Morse, also von 1994 an. ErzĂ€hlt wird die Historie der WiederauffĂŒhrungen des “Concerto” 1999/2000, des unglaublichen Auftritts in den verschneiten Schweizer Alpen â und zum x-ten Male geben Gillan und Glover den Hintergrund von “Smoke on the Water” â vom brennenden Casino bis zu Songnotizen auf einer Serviette â zum Besten.
Wer nur am Rande “Purple”-interessiert ist, gehört sicher nicht zur Zielgruppe der DVD, wer aber mal genussvoll ĂŒber mehrere Abende verteilt in die neuere “Purple”-Geschichte einsteigen möchte, sollte zugreifen. Sehr zu empfehlen, weil immer aktuell, ist auch die offizielle Homepage www.thehighwaystar.com.
Axel Cordes, Giessener Allgemeine Zeitung

Unauthorized copying, while sometimes necessary, is never as good as the real thing
135 Minuten Show, das ist ja wohl mehr als hervorragend. In anderen Konzertberichten wurde von 90 – 100 Minuten gesprochen. Aber manche Leute sind wohl nie zufrieden.
August 9th, 2008 at 13:13Would somebody please go to the trouble to translate this? It looks to be an interesting review……
Cheers
August 10th, 2008 at 19:42Oops, sorry, I got it wrong myself. It WAS actually about 95 minutes. So the other reviewers were right. Don’t know how this mistake happened.
August 11th, 2008 at 14:07If I find the time beside my duties as a schoolteacher (the Siegen show was on the last day of the summer holidays) I might even try and translate it.
Still looking for the translated version……
Cheers
August 13th, 2008 at 03:46Still hoping for the translated version…..
Cheers
August 13th, 2008 at 03:48Tracy,
August 13th, 2008 at 17:15don’t be so impatient. I have translated the review (excluding the part about the DVD) and mailed it to our favourite online newspaper đ It’s only a matter of hours – very soon you will be able to read it in English. Hope you won’t be disappointed when you understand what I wrote đ
Patience is a virtue… (but she won’t always wait!)
http://www.thehighwaystar.com/reviews/2008-europe/2008/08/13/siegen-celebrates-40-years-of-purple/
August 13th, 2008 at 21:21If you want to have a translation of the above text, it’s quite easy to do it yourself. You just need the opera browser and mark the whole text above (everything marked should be dark blue) and push the right mouse button and point to “translate” and the to “German – English”. The result is not that perfect, but over all it’s easy to imagine what the original text would tell you. Have Luck !
August 15th, 2008 at 12:59Sorry, I didn’t mention that the job was already done.
August 15th, 2008 at 13:01